Einzel-, Paar- und Familientherapie

Selbstwert und Beziehungen heilen

„Geh Du voran.“
sagt die Seele zum Körper.
„Auf mich hört sie nicht,
vielleicht hört sie auf dich.“
„Ich werde krank werden,
da wird sie Zeit für dich haben.“
sagt der Körper zur Seele.

Quelle unbekannt

Wenn wir in eine Familie hinein geboren werden, ist es "selbstverständlich", dass wir uns zunächst fraglos auf unsere Mutter, unseren Vater, unsere Geschwister, unsere Großeltern und auf andere Menschen, die für uns sorgen, beziehen. Unser Menschen-, Welt- und Selbstverständnis entwickeln wir, indem wir uns in Beziehungen erfahren. Dieses Erleben geschieht wie "selbstverständlich" und ist uns zumindest in den ersten Jahren unseres Lebens kaum bewusst. So geschieht es ganz natürlich, dass wir diese frühen Prägungen als Grunderfahrungen in uns tragen und sie von da aus in alle weiteren Beziehungen unseres Lebens wirken: zu FreundInnen, zu NachbarInnen, zu LehrerInnen, zu KollegInnen, zu ChefInnen, zu PartnerInnen, zu den eigenen Kindern etc.

Beziehungslust statt Beziehungsfrust: Wo ist der Schalter für das Glück?

Unbewusste Botschaften, unbewusste Loyalitäten, sowie Ge- und Verbote aus der Herkunftsfamilie und aus früheren Generationen, kollektive Prägungen, verinnerlichte kulturell-religiöse Normen, "vergessene" Traumen können die persönliche Lebens- und Beziehungsqualität belasten:

  • häufige Beziehungskonflikte
  • Unzufriedenheit, Freudlosigkeit in Beziehungen
  • Angst vor Partnerschaft, Partnerverlust
  • Trennung, Scheidung
  • Konflikte in Patchwork-Familien
  • Selbstwert-Probleme

In diesen Fällen kann es heilsam sein, sich den tieferen Schichten Ihrer Beziehungsweisen bewusst zu werden, um sie besser verstehen und selbstbestimmt gestalten zu können. 

 

Geborgenheit und Freiheit - Grundbedürfnisse gesunder Selbst-Entwicklung

Die moderne Psychologie und auch Gehirnforschung stellt 2 elementare Grundbedürfnisse heraus, die fundamental wichtig für eine gesunde menschliche Entwicklung sind:

  • das Bedürfnis nach Geborgenheit
  • das Bedürfnis nach Freiheit

Wir brauchen offenbar den Bezug zu jemanden, das Gefühl, dazuzugehören und bei Bedrohung geschützt zu sein. Genauso wichtig ist es, dass wir genügend Frei- und Spielraum haben, um unsere ganz eigenen Erfahrungen zu machen, um frei, ungestört und unbeschwert uns selbst und das Leben entdecken zu können, um Autonomie entwickeln zu können.

 

Wenn Eltern traumatisiert sind, z. B. durch Kriegserlebnisse oder Kriegskindheit oder durch frühe Verluste von Angehörigen oder nahen Menschen, Tieren oder Orten, dann können sie ihren Kindern den notwendigen seelischen Halt oft nicht geben, oder sie schränken aus einem zur zweiten Natur gewordenen Mißtrauen gegenüber dem Leben in zwanghafter Sorge den freien Erfahrungs- und Spielraum ihrer Kinder unbewusst ein. Kinder nehmen das einfach hin und entwickeln dann leicht die Tendenz, ausgleichen und helfen zu wollen. Sie spüren intuitiv, was fehlt und setzen viel daran, Vater und Mutter und andere versorgende Personen zu unterstützen, damit es ihnen besser geht.

 

Eigene Bedürfnisse werden dafür geopfert, ignoriert, unterdrückt, in wirklichkeitsfernere Bereiche von Sehnsucht, Heimlichkeit, Träumen und Hoffen projeziert. Das eigene Überleben hängt schließlich davon ab, dass es den Eltern gut geht. Solche Überlebensstrategien entwickeln sich auf der seelischen Ebene gerne zu unbewussten Automatismen, aus denen sich auch das eigene grundlegende Selbst-Verständnis bildet. Nicht selten wird ein solches sich unterordnendes opferbereites persönliches Selbstverständnis auch von kollektiven gesellschaftlichen und religiösen Normen und Erwartungen gestützt und sogar verstärkt.

 

Vom eingebildeten Selbst zum autentischen Selbst-Gefühl

Wenn wir jedoch erwachsen werden und es darauf ankommt, unseren eigenen Platz im Leben und in der Gesellschaft zu finden, stehen uns gerade die früher hilfreichen Überlebensstrategien im Weg. Sie erschweren oder verhindern, dass wir in Kontakt mit uns selbst sind, dass wir ein sicheres unbeschwertes Selbst-Gefühl, ein Gewahrsein für unsere eigenen Bedürfnisse ganz selbstverständlich entwickeln. Schuldgefühle, Versagensängste, Selbstwertprobleme, Abhängigkeiten, depressive oder aggressive Verstimmungen können sich als selbstsabotierende Muster einschleichen - alles Zeichen einer verhinderten Selbst-Wahrnehmung und -Annahme. Selbstbestimmung und Selbstverantwortung rutschen mit der Unfähigkeit, den Kontakt zu sich selbst zu spüren, den eigenen Selbst-Raum einzunehmen, ihn bewusst zu beleben und auf gesunde Weise zu schützen, in den Bereich der Unmöglichkeit. 

 

Ohne lebendiges Selbst-Gefühl kann sich auch nicht die Erfahrung von Erfolg einstellen, denn dieser ist an Bedingungen im außen geknüpft und steht außerhalb der persönlichen Einflussmöglichkeit. Im besten Fall haben wir dann eben ein bißchen Glück, im schlechtesten Fall gehören wir zu den Pechvögeln. Ein eigener Machtbereich gilt dabei als Tabu, würde die hochgehaltenen alten Überzeugungen von der eigenen Ohnmacht in Frage stellen, möglicherweise als egostische und lieblose Idee moralisch verwerfen.  

 

Deshalb ist es so wichtig, tief heilsam und befreiend, die eigenen Verhinderungsstrategien zu erkennen, eine würdevolle innere Ablösung von den Eltern tatsächlich zu vollziehen, sie aus dem eigenen seelischen Raum zu entlassen und den Kontakt mit sich selbst im Hier & Jetzt zu erleben, zu gestalten und zu üben. Sich selbst damit in die eigene Kraft initiieren, d. h. sich selbst die Kompetenz anzueignen, sich selbst nah zu sein, für sich selbst da zu sein, die eigenen Bedürfnisse zu bemerken, für sich selbst einzustehen und sich selbst zu schützen und die eigene Lebensenergie bewusst, selbstvertrauend und wertschätzend zu gestalten.

 

Selbstwirksamkeit, Bürde und Würde des Erwachsenwerdens

In verschiedenen indigenen Kulturen gibt es so genannte Initiationsriten, die menschliche Entwicklung und Reifung ermöglichen, unterstützen und markieren sollen. Neben Geburt und Tod wird das Erwachsenwerden als wesentliche Schwelle im menschlichen Dasein verstanden. Rituelle Bestärkung und Würdigung soll dabei helfen, das sich verändernde Selbstverständnis in der Tiefe zu begreifen, es als natürlichen Entwicklungsprozess anzunehmen und sich selbst in der eigenen Entwicklung und Energie zu erkennen.

 

Eine achtsame, wertschätzende Ablösung von den Eltern, das Lösen und Lockern der erworbenen familiären und gesellschaftlichen Identität ermöglicht, dass die ganz eigene individuelle Kraft präsenter wird. In den alten indigenen Kulturen mussten dafür große Prüfungen bewältigt werden. Im Ritual der Visionssuche ist es das ganz auf sich gestellt sein draußen in der Wildnis, fastend und ohne technischen Schutz, auf die eigenen Kräfte bauend das Leben zu fühlen, die eigenen Fähigkeiten und Eigenheiten ohne Publikum und ohne Verdienst zu erleben, den eigenen Ängsten zu begegnen und das pure Leben zu begreifen, wie es eben ist. Sich selbst in der Abwehr oder in der Bereitschaft zu erleben, es tatkräftig in die eigenen Hände zu nehmen, es als göttliches Geschenk anzunehmen, es in sich pulsieren zu fühlen und darin zu Hause zu sein, sich wohl- und geliebt zufühlen und das eigene Da-Sein als tatsächliche Chance zu begreifen. Es setzt wirkliche, unter die Haut gehende Selbst-Erfahrung und damit echtes Selbst-Bewusstsein voraus, um das eigene Leben entschieden anzunehmen und aus ihm ein ganz eigen-artiges Kunstwerk der Freude und der Liebe entstehen zu lassen.

Beziehungsweise - selbst bewusst, verbunden und frei

Verantwortung in Beziehungen setzt Bewusstheit voraus. Nur was uns bewusst ist, können wir verantworten und verändern. Systemisch-schamanische Methoden wie Medizinwanderungen als Visionssuche im kleinen Format, Aufstellungen im Medizinrad, Aufstellungen mit dem Fokus auf die eigenen wesentlichen Selbstanteile helfen, Zugang zur verborgenen Seite des Lebens, dem "Unbewussten" herzustellen, es sorgsam wie die Schalen einer Zwiebel zu berühren, zu öffnen, um sich eine Ahnung von der tiefen Weisheit in sich zu erschließen. Von jenem Ort in uns, wo wir unser ureigenes Geheimnis hüten. Beziehungen heilen, heisst immer auch, die Kunst einer gesunden, klaren und dennoch geschmeidigen Grenze zu erlernen, die eigenen Fähigkeiten, Kraftquellen und Qualitäten aufzuspüren, dabei sich selbst zu entdecken und wertzuschätzen.  

Eine gesunde, liebevolle Beziehung zu sich selbst ist wie fruchtbare Erde: sie lässt auch alle anderen Beziehungen gut gedeihen.