Kommunikation

Macht und Schönheit des Wortes

Jenseits von gut und böse

gibt es einen Ort:

dort treffen wir uns.

Rumi

Sprache ist in Form und Ausdruck gebrachtes Denken. Sie kann die Bedeutungen, die Absichten der SprecherIn offenbaren. Öffnen wir den Sprachkörper wie eine Zwiebel, erleben wir: Stille, Gedanke, Atem, Klang, Rhythmik, Lautstärke, Ton. Wenn diese Energien in Ein-Klang mit dem Wesen der Sprecherin/dem Sprecher verlauten, erschließt sich uns die Wortbedeutung selbstverständlich und wir erleben den Zauber eines stark, schön, einfach und wahr anmutenden Wortsinns.

Mentalhygiene oder was und wie denkt es eigentlich in mir?

Nicht alles, was es in uns denkt, verlässt unseren Körper als hörbare Sprache. Selbstgespräche und anderes mentales Geplapper sind so selbstverständlich, dass wir es oft gar nicht wahrnehmen. Wenn wir uns selbst verstehen wollen, geht es wesentlich auch darum, unsere eigenen mentalen Dialoge und Muster zu gewahren. Was ich im Innersten über mich denke, dem verleihe ich die Kraft, Wirklichkeit zu werden.

 

Deswegen kann es sehr heilsam und befreiend sein, z. B. abwertende, jammrige, manipulierende oder andere destruktive Gedankengänge zu verwandeln und das "ich" aus seinem dauernden Kampf um Anerkennung zu erlösen. Dazu braucht es, dass ich aufmerksam und entschieden genug bin, meine Gedanken überhaupt zu bemerken und Ideen zu entwickeln für bekömmlichere mentale Kraftfelder: z. B. Gedanken der Freude, der Fülle und der Wertschätzung über mein Leben und meine EigenArt es zu bewerkstelligen. Mit einer klaren inneren Haltung sorgen wir dafür, dass Kommunikation auch im Außen gelingt.


"Kommunikation ist, was ankommt." P. Watzlawik

Und es geht nicht, nicht zu kommunizieren. So die Grundaxiome des Kommunikationswissenschaftler P. Watzlawik. Unser Da-Sein wirkt sozusagen per se kommunikativ - ob wir wollen oder nicht.

Achtsames Gewahren unserer alltäglichen Kommunikationsgepflogenheiten übend, frage ich mich:

Wie entstehen, funktionieren und wirken unsere (inneren) Botschaften?

Welchen Einfluss üben sie auf unsere Beziehungsqualität aus: zu uns selbst, in Familien, in der Gemeinschaft, Gesellschaft, zur Erde, zum Kosmos, zum Göttlichen..?

 

Hilfreich und höchst interessant erlebe ich immer wieder die Beziehung zwischen Körper und Gesagtem. Wenn wir uns für unsere sinnliche Wahrnehmung sensibilisieren, haben wir einen verlässlichen Gradmesser für Wert und Wirkung unserer Kommunikation. In der modernen neurobiologischen Forschung wird dieser elementale Zusammenhang als "somatischer Marker" (nach Damasio) bezeichnet.

 

Auch im klassischen Kommunikations-Konzept nach K. Rogers - empathische Kommunikation, aktives Zuhören, Spiegeln -  sowie in der Gewaltfreien bedürfnisorientierten  Kommunikation nach M. Rosenberg spielt die Wahrnehmung von Körper-Empfindungen eine Schlüsselrolle dafür, Kommunikation gelingend zu gestalten.

 

Kommunikations-Rituale z. B. mit Redestab oder Redekugel können in Gruppen das sprachliche Miteinander auf sinnliche Weise ordnen, ihm Klarheit, Tiefe und Schönheit verleihen, indem einfache Regeln das selbstverantwortliche Sprechen fördern.

 

Auch gemeinsames Tönen und Singen oder Schweigen verwandelt einen gewöhnlichen Sprachraum in einen energetisch hoch schwingenden Kommunikationsraum - ein beflügelter Seelenkörpergeist-Raum, in dem Verständigung und Verständnis geschieht und sich der wörtliche Austausch bisweilen erübrigt.

 


Embodied Kommunikation: Der Körper teilt mit, was ist.

Der Körper weiß mehr, als wir denken. Er verkörpert unser Denken und unser Sein. So ist er weises Instrument, der uns hilft, unser Leben im Einklang mit uns selbst, mit unseren profanen wie auch mit unseren spirituellen Bedürfnissen zu verwirklichen. Während die bisherigen Kommunikationstheorien eher einen analytisch-kognitiven Ansatz beschreiben, so z. B. das 4-Ohren-Modell nach Schulz v. Thun, das eine Botschaft aufschlüsselt in Beziehungs-, Sach-, Appell- und Selbstoffenbarungs-Ebene, um die Absicht des "Senders" für den "Empfänger" einer Nachricht verständlich "rüberzubringen". Durch die modernen Erkenntnisse von Quantenphysik, Molekularbiologie und Neurowissenschaften lassen sich allerdings die Thesen von einem objektiven Sender-Empfänger-Modell in der Kommunikation nicht aufrechterhalten. Vielmehr geht es um das Verständnis von Schwingungen, von Frequenzen, von Energien, von Synchronisationsleistungen, die zwischen lebendigen Organismen offenbar andauernd geschehen und nicht so logisch sind, wie Wissenschaft sich das gerne ausdenkt. Maja Storch und Wolfgang Tschechen bringen es in ihrem Buch "Embodied Communication" auf eine kompakte Formel: AAO, d. h. Aufmerksamkeit. Augen auf. Ohren auf. Dabei spielen die sinnlichen Eindrücke, die Fähigkeit, den Blick nach innen zur eigenen Befindlichkeit zu richten genauso eine große Rolle wie die Fähigkeit, mein Gegenüber zu "lesen" und ihm und mir mein Ohr zu öffnen. Die Fähigkeit zur Selbstregulierung, fühlendes Wahrnehmen ermöglichen so etwas wie Kontakt und damit eine Basis des sich Einschwingens und Synchronisierens. Wie bedeutsam Augenkontakt ist, belegen auch moderne ganzheitliche Augentherapeuten, die das Sehvermögen in Verbindung mit dem ganzen Körper sehen und den stierenden, fixierenden Blick mit entsprechenden Gedankenfixierungen in Zusammenhang bringen. Dagegen öffnet ein weicher Blick, der auch in den Randzonen aufmerksam ist, die Entspannungspotenziale im ganzen Körper und im ganzen Menschen. Dass damit angenehmere Gefühle ausgelöst werden und die Kommunikation besser gelingt, ist naheliegend. Auch Porges, ein Traumatherapeut, hat in seiner Forschung auf die herausragende Bedeutung eines entspannten Gesichtsfeldes für den Ausdruck und die Entfaltung von Liebe und Vertrauen in Beziehungen hingewiesen. Unser Körper ist demnach ein ganzheitliches Erfahrungsinstrument, das wir spielen, mit dem wir unsere "Musik" erklingen lassen und das zudem in der Lage ist, mehr oder weniger passend sich in ein Orchester einzufügen. Der Ton macht die Musik. Das Zusammenspiel macht das erlebbare Kunststück und die erlebbare Freude. Kommunikation ist etwas sehr Lebendiges, eine große Kunst und voller Wunder!

Von der Kommunikation zur Kommunion

Wenn kein Muss und kein Sollte drängt, wenn wir innerlich frei sind, uns zu nichts nötigen, weder etwas erreichen noch etwas Bestimmtes gelten müssen, wo Gefallen oder Mißfallen, Erfolg und Mißerfolg zu irrelevanten Kriterien werden, da kann es gut sein, dass wir sprachlos sind ob des Friedens und der stillen Freude in unserem Herzen. Sinn wird über-flüssig, indem er sich erfüllt. Erfüllt ist er, indem er gelebt wird, aufgeht in meinem Leben. Manchmal erwischen uns für Momente solche Sternschnuppen der Erkenntnis. Kommunikation erübrigt sich dann im einfach So-Sein - transformiert Sinn und Sein in empfundene Kommunion - mit-ein-ander, mit-teilen, all-eins-sein -  wortlose lebendig pulsierende Sprache des Herzens, gelebtes, verkörpertes Gebet.

   

Im schöpferischen Gespräch mit Mutter Erde,

in kraftvoll-sinnlicher Begegnung,

ist es möglich über sich selbst hinauszuwachsen

und den Segen von all-eins-sein zu erfahren.