Du bist ein Geschenk.

„Der intuitive Geist ist ein Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft geschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.“ 

So hat es Albert Einstein gesehen. So können wir unsere aktuelle Situation sehen. 

 

Auch wenn die Welt verkehrt erscheint - Gegenwärtigkeit hilft, Dich zu orientieren. 
Was meint Einstein mit diesem intuitiven Geist? Was ist das Geschenk? Und wie rufen wir uns dieses Geschenk wieder in Erinnerung? Für mich ist es der weibliche Geist, in Frauen und Männern, der intuitiv eine Verbindung hat zum Ganzen, zur Ganzheit des Lebens. Der Geist Sophias, der heilige weibliche Geist, der Frieden schenkt. Und Weisheit. Die weibliche Kraft, die von Natur aus ausgestattet ist, zu empfangen, Leben hervorzubringen, ihm Raum zu gewähren, es zu halten, zu nähren und gedeihen zu lassen. Das ist das Geschenk. Ein Geschenk ist etwas Besonderes. Wir bekommen etwas, ohne dafür etwas tun zu müssen. Echte Geschenke kommen nicht durch unser Tun zu uns, sondern durch unser Sein. Frei von Forderung, frei von Bedingung. Wie das Leben selbst. Wie die Liebe selbst. Die ist auch einfach da, wenn wir offen dafür sind. Leben und Liebe sind immer großzügig, frei und präsent. Und wenn wir präsent sind, sind wir auch für die Welt ein Präsent.

 

Aus dem intuitiven Geist heraus sammeln wir Erfahrungen, heilige Momente - nicht Dinge.

Wenn ich mich umschaue in diesem Frühling, was wieder alles aus der Erde hervorbricht an Pflanzenschönheiten, an Essbarem, Riechbarem, Fühlbarem und wie zum Sonnenaufgang die Vögel ihre Konzerte anstimmen, um den noch nie dagewesenen neuen Tag würdig zu empfangen – dann bin ich durch und durch berührt von diesen Wundern und komme aus dem Staunen nicht heraus. In solchen heiligen Momenten empfinde ich die Gastfreundschaft von Mutter Erde in jeder Zelle – ein Geschenk, wenn nicht sogar „das“ Geschenk. Es rührt in mir den tiefen Wunsch, mich dessen würdig zu erweisen. Dankbar und demütig ziehe ich meine Schuhe aus, gehe barfuß fühlend über das taunasse Gras, genieße die Frische, summe mit den Vögeln und Insekten und blinzle erwachend in die Sonne und in den Tag, der mir heute wie ein Geschenk in den Schoß gelegt wird. Ich nehme es freudig an.

 

Ich leiste, also bin ich (nicht).

In unserer Leistungsgesellschaft gelten die Rhythmen der Natur eher als hinderlich denn als fruchtbar. Ruhepausen und Wachstumsphasen wechseln sich im Natürlichen ständig ab: wir wandern von Aktivitäten des Tages in die regenerierende Nacht-Ruhe, von unbändigem Wachsen im Sommer zu vollständigem Rückzug der Lebenssäfte im Winter. Für unser Wirtschaften gilt dagegen das Credo vom pausenlosen, größtmöglichen Wachstum, das Wohlstand verspricht: Ich leiste, also bin ich - wohlhabend. Das empfangende, intuitive Prinzip als Lebensgrundhaltung gerät dadurch unter die Räder und tatsächlich in Vergessenheit. So dominieren wir mit unserem rationalen Geist gern unser Leben. Viele von uns leiden unter dieser Haben-und-Leisten-Müssen-Mentalität und fragen sich, wie sie der Zwanghaftigkeit unseres Lebens und Wirkens heilsam entgegenwirken können. 

 

Vom Haben zum Sein: Ich bin.

Wir haben gelernt, die weibliche Energie des Empfangens, des Fließens, der Weichheit, des Wartens zu ignorieren, zu unterdrücken und nicht besonders wertzuschätzen. Aktives, ehrgeiziges, produzierendes, auf Tempo ausgerichtetes Tun und Machen sind die angestrebten Qualitäten. Wir halten sie für Stärke – notwendig und begehrenswert. Nicht-Tun, Nicht-Wollen erscheinen uns vergleichsweise als schwächlich, als suspekt, ineffektiv und unnütz. Wir können nichts damit anfangen. Es erscheint uns weder dienlich noch greifbar. Empfängnis als weibliches Pendant zum männlichen Aktivitätspol hat eher mit einfacher Bereitschaft, mit Präsenz, mit Zeit für Reife, mit dem Achten und Beschützen der lebensfördernden Rhythmen zu tun. Das Wesentliche geschieht von selbst, d. h. wir müssen am Gras nicht ziehen, um sein Wachstum zu optimieren. Wir dürfen vertrauen, dass das Leben selbst bestens weiß, was angemessen ist. Wir dürfen uns auf die Lebenskräfte einschwingen und gewahren, dass wir getragen und feinstofflich durchflutet sind vom Wunder des Lebens selbst. Das verändert unser Selbstverständnis. Das Leben muss im Innersten nicht erst verdient werden. Es ist schon da. Als allgegenwärtiges Geschenk. Lassen wir das aus unseren inneren Tiefen auftauchen, berührt es, entkrampft Körper, Seele und Geist. Es öffnet Spielräume, Experimentierräume – und unser Herz, von wo wir die Multidimensionalität unseres menschlichen Seins bemerken und entdecken können. Dafür braucht es einen eher rezeptiven Geist von Gelassenheit und Absichtslosigkeit. Eine solche Haltung von Unvoreingenommenheit kreiert einen inneren freien Raum, in dem der intuitive Geist sich eingeladen fühlt und mit seinen inspirierenden Geschenken aufwarten kann: ein zutiefst schöpferischer Raum, der in aller Stille und Würde an seinem Grund das Leben-lassende-und-liebende Credo ahnen lässt: Ich bin, also bin ich – wohlseiend. So einfach. So befreiend: Alles ist, wie es eben ist. 

 

Wir müssen nichts – außer achtsam sein und verlernen, wer wir gelernt haben zu sein. 

Wenn wir aber mit dem in unserer Kultur verherrlichten rationalen Geist identifiziert sind, dann spielt dieser sich auf, besetzt als Alleinherrscher munter unsere mentalen Räume von Absichten, Erwartungen und Entscheidungen. Das bringt uns in beständige Zwänge und Zwickmühlen. Denn, so wird uns beigebracht: Das Leben ist kein Zuckerschlecken, wir müssen Gas geben, um vorne mitzuspielen. Setze dich durch, traue niemandem, usw. Der einseitig überstrapazierte rationale Geist muss dem entsprechend bewerten, aussortieren, beurteilen, muss messen, vergleichen, definieren, spalten, fixieren. Er muss dafür sorgen, dass wir im Wettbewerb Oberwasser behalten und gewinnen. Und er muss Recht haben und sich wichtig fühlen. Deswegen muss er unerlässlich auf der Hut sein, ja nicht der falschen Versprechung auf den Leim zu gehen, um ja nicht zu den Verlierern zu gehören. Das bedeutet permanente Prüfung und Kontrolle. Der Mensch und der Körper, der an diesem Geist hängt, erlebt es nicht selten als Härte, als Getriebensein, als Mangelgefühl, als Angst, als Angst vor Mißerfolg und zu kurz zu kommen oder andersherum als Hunger nach Macht – Stress ohne Ende. Der gestresste rationale Geist steht unter Druck, verhärtet sich bis hin zu Gewaltbereitschaft. Von seinen eigentlichen dienenden Wesensqualitäten entfremdet er sich. So finden wir uns in einer exklusiven Welt von Macht und Ohnmacht, die ihren Sinn im Wetteifern versteht und den Sinn für lebendige Ganzheit und integrierenden Gleichklang längst verloren hat. 

 

„Das Herz ist die Mitte der Welt.“ Hildegard von Bingen

Die Corona-Krise, die wir gerade erleben, fordert uns alle heraus. Sie verlangt ein neues Gespür für unser Leben, für unser Selbstverständnis, für unser Miteinander und für die Auswirkungen unseres Handelns auf das Ganze – vielleicht nicht weniger als ein Erwachen in ganzheitliches Bewusstsein. Nach meinem Empfinden, bedeutet das, das heilige Weibliche als solches zu erkennen, zu achten, zu leben, zu lieben und zu integrieren.  Wenn wir die Gastfreundschaft Gaias hier auf Erden nicht verspielen wollen, sind wir als Menschen gefragt, unsere Beziehungs- und Liebesfähigkeit auszubilden. Der intuitive Geist, den Einstein meinte, möchte eingeladen werden, um seine heilsamen Geschenke zu teilen. Es ist Zeit, dem Kopf nicht länger die Alleinherrschaft zuzumuten und wenn’s sein muss, ihm die Regierungsgeschäfte zu entziehen. Vielmehr darf er als Diener des Herzens zu neuen Ehren kommen. Das Herz als die Mitte des Lebens, wie es Hildegard von Bingen ausdrückt, will neu wahrgenommen werden als die lebendige Instanz für ganzheitliches, intuitives Wissen, für Liebe, Weisheit und für Mitgefühl. So könnten wir anfangen, unseren Platz auf der Erde als Menschheitsfamilie zu finden.

 

Berührbar sein, in Beziehung sein, bewusst sein – jenseits von richtig und falsch.

Corona und die Auswirkungen davon treffen uns alle. Viele sind verunsichert. Kein Wunder, dass wir ringen: mit dem unbekannten Virus, mit den Maßnahmen, mit den Interpretationen, mit Ängsten genauso wie mit den neuen Möglichkeiten, mit dem, was das alles mit uns macht. Und aus den unzähligen Informationen wollen wir gerne wissen, was denn stimmt. Darüber streiten sich derzeit viele Menschen. Es geht dabei häufig um den richtigen Standpunkt. Andere scheuen sich, eine bestimmte Position einzunehmen aus Angst, den Spannungen nicht gewachsen zu sein. Spaltungen über Spaltungen gehen durch die Gesellschaft, durch die Wissenschaft, durch Religionen und Regionen, durch unsere Familien und durch unsere Herzen. Recht haben wollen führt leicht in eine Sackgasse. Wenn wir auf eine „richtige“ Antwort aus sind, dann beschwören wir unser Gegenüber, möglichst dieselbe Sichtweise einzunehmen. Ist das der Fall, können wir es gut miteinander haben. Wenn nicht, leben wir in schmerzlicher Spannung oder Spaltung. Damit beschränken wir unsere Beziehungsmöglichkeiten und machen sie abhängig von einem angeblich richtigen Standpunkt. Aber wo ist in einem schier unendlichen Universum, der einzig richtige Standpunkt? Überall? Nirgends? Da, wo du stehst? Da, wo ich stehe? Oder offenbart sie sich im Raum dazwischen?

 

Der Weg vom Wissen zur Weisheit ist ein innerer.

Wie können wir wissen, was wirklich und was wahr ist? Ich meine, vielleicht gar nicht. Wir können es nicht „wissen“ in dem Sinne, wie für uns 2 x 2 vier ist. Die Quantenphysiker und die Weisen früherer und heutiger Zeit sagen, dass die Dinge nicht so sind, wie sie erscheinen. Nicht so fest. Nicht so objektiv, wie unser Verstand gerne behauptet und seine Konzepte von der Wirklichkeit festzurrt. Das Beobachtete ist immer beeinflusst von der Beobachterin. Und die Beobachterin ist ein lebendiges Wesen, multidimensional. Das ist für den Verstand nicht zu fassen und damit ungültig. Vielleicht braucht es aber für ein lebendiges Wesen nicht eine objektive Wahrheit, sondern einen inneren Weg, der ihr das Wissen immer wieder neu aufschließt. Von innen her. Von ihren seelischen und geistigen Verbindungen her. Vom Herzen her mit Gefühl und Intuition. So kann das informierende Wissen im frei schwebenden Bewusstseinsfeld des Herzens sich transformieren. Und in echte Weisheit reifen. So wird das Wissen angereichtert mit fühlendem Gewahrsein und damit im wirklichen Sinne des Wortes „relativ“, d. h. bezogen auf unser zwischenmenschliches Erleben. Und wer weiß, vielleicht auch bekömmlicher für eine lebendige spürbare wie verantwortliche Beziehung zwischen Mensch und Erde. Vielleicht müssen wir weit hinaus in den Weltraum reisen, um in der schier unermesslichen Weite unseres Kosmos unser eigenes aufgeregtes Herz schlagen zu hören - ganz nah. Um unsere eigene Verletzlichkeit und Berührbarkeit zu bemerken - ganz nah. Oder schlicht die Schönheit der Erde und das unwahrscheinliche Wunder, dass es uns hier gibt. 

 

Weil es um’s Ganze geht.

Wir tun gut daran, gründlich zu erforschen und zu spüren, von woher wir unsere Wahrheiten beziehen, sonst gehen wir allerhand abgekauften Lügen aus reiner Gewohnheit auf den Leim. Vor allem ist es an der Zeit, dass wir lernen, selber zu fühlen, selber lebendig, d. h. nicht aus einer unbewussten Gewohnheit heraus, in Kontakt zu sein mit unseren Gedanken und Gefühlen. Dann haben wir eine echte Chance, eine freiere Wahl zu treffen für unser inneres Wohlbefinden und für unsere energetische Ausrichtung in dieser Welt. Dann können wir den Anker unseres Selbstverständnisses tief in unserem Herzen in die Liebe des Lebens senken und in der Ahnung von All-eins-sein empfangen, was da ist. Jetzt. Ganz. Präsent.

 

Vertrauen ins Nicht-Wissen ist wie Geborgenheit in der Unendlichkeit.

Wenn wir in der Lage sind, innezuhalten, um unsere unbewusste Rechthaberei zu bemerken, geht die Tür zu unserem weiteren Bewusstsein einen Spalt nach innen auf – und es passiert das Wunder: die Spannung beginnt, sich aufzulösen. Irgendwie unspektakulär, passiert „nichts“ – ein leerer, undefinierter Raum tut sich auf, der unsere ganze Aufmerksamkeit braucht. Gelingt uns das, uns so gelöst in uns zu versammeln, so erkennen wir zwar weiter unsere wesentlichen Standpunkte, aber im Hinblick auf unsere damit verbundenen unwillkürlichen Reaktionen gewinnen wir etwas Abstand – einen Freiraum, der uns eine neue Wahl ermöglicht. Vielleicht müssen wir nicht weiter auf unser Recht pochen. Vielleicht spüren wir unser Gegenüber tiefer und interessieren uns neu für sie / ihn.  Wenn wir jedoch nicht achtgeben, wenn wir nicht ganz gegenwärtig sind, werden wir das Wunder versäumen, den leeren Raum nicht wahrnehmen können. Gelingt es uns aber, mit dieser Dimension von Gewahrsein in Fühlung zu kommen, verändert sich alles – aus dem Nichts heraus. Es ist fast magisch: sobald ich mich oder mein Gegenüber aus meinem Anspruch entlasse, dass ich Recht haben sollte, wird aus einem besetzten Raum ein freier Raum. Ich gebe scheinbar auf und gewinne dadurch alles: einen offenen Raum, in dem verschiedene Standpunkte gemütlich Platz finden. Ein flexibler Raum. Ein Möglichkeitsraum. Ein Frageraum. Ein Wunderraum. Ein Raum zum Sein.

 

Der Beginn eines neuen Lebens ist immer: JETZT.

Falls du die Herausforderungen der gegenwärtigen Zeit wirklich als Chance für deine Transformation und einen Neuanfang nutzen möchtest, lade ich dich von Herzen zu meinen Angeboten ein. Wenn du dich angesprochen fühlst, ist es mir die größte Freude, dich ein Stück zu begleiten auf den Pfad deiner inneren Weisheit, wo Freude, Frieden, Freiheit, Liebe und Leichtigkeit dich erwarten. 

 

Rita Weininger